In L1 hast du den Drucker bedient. Hier verstehst du, wie er das macht.
Das Grundprinzip (FDM-Verfahren)
Unsere Drucker arbeiten nach dem FDM-Verfahren (Fused Deposition Modeling = "Schichtschmelzverfahren"):
- Ein duenner Kunststoff-Faden (Filament, 1,75 mm dick) wird von einer Rolle gezogen.
- Im Hotend wird das Filament auf ca. 200 °C erhitzt und geschmolzen.
- Eine winzige Duese (0,4 mm Loch) druckt den geschmolzenen Kunststoff Punkt fuer Punkt auf das Druckbett.
- Wenn eine Schicht fertig ist, faehrt das Bett 0,2 mm nach unten, die naechste Schicht kommt drauf.
- Aus tausenden Schichten entsteht dein 3D-Modell.
→ Ein Schluesselanhaenger (4 mm dick) besteht aus 20 Schichten. Eine kleine Vase mit 10 cm Hoehe — aus 500 Schichten.
Was passiert beim Druckkopf?
Im Druckkopf (auch "Werkzeugkopf" genannt) sitzen mehrere Bauteile, die zusammenarbeiten:
- Extruder: Zwei Zahnraeder greifen das Filament und schieben es nach unten in das Hotend. Wenn die Schicht fertig ist, ziehen sie es ein winziges Stueck zurueck (= "Retraction"), damit nichts nachtropft.
- Hotend: Heizt auf 200 °C (PLA) bis 240 °C (PETG). Eine Silikonsocke drumherum haelt die Waerme.
- Kuehlluefter: Pustet kalte Luft auf die frisch gedruckte Schicht, damit sie schnell fest wird.
Wozu das Heizbett?
Das Druckbett wird warm (PLA: 35-45 °C, PETG: 70 °C). Warum?
- Ohne Heizung kuehlt das frisch gedruckte Filament zu schnell ab und verzieht sich (heisst auf Englisch warping).
- Mit Heizung bleibt die erste Schicht weich genug, dass sie sich an die Druckplatte anschmiegt.
- Nach dem Druck abkuehlen lassen — dann loest sich der Druck ganz leicht von der PEI-Platte.
Was kann was?
Schau dir die Drucker-Tabelle aus L2 nochmal an. Verstehst du jetzt, warum:
- der A1 mini kein ABS kann? (Tipp: Heizbett max 80 °C, ABS braucht 100+ °C)
- die P-Serie geschlossen ist? (Tipp: ABS schrumpft beim Abkuehlen — die geschlossene Kammer haelt die Waerme drin)
- alle unsere Drucker mit PLA am besten klarkommen? (Tipp: niedriger Schmelzpunkt, kaum Geruch, kein Verzug)
Materialkunde — was bedeuten diese Buchstaben?
| Filament | Voller Name | Schmelzpunkt | Eigenschaften | Bei uns? |
|---|---|---|---|---|
| PLA | Polylactid (aus Mais!) | ~190-220 °C | spritzfest aber bricht sproede, geringer Geruch | Standard, immer OK |
| PLA+ | PLA mit Additiven | ~210-225 °C | wie PLA, aber zaeher | Standard |
| PETG | Polyethylenterephthalat-Glykol | ~220-240 °C | klar/glitzernd, lebensmittelecht, biegsamer | Mit Lehrer-Aufsicht |
| ABS | Acrylnitril-Butadien-Styrol | ~230-250 °C | Lego-Plastik, sehr robust, riecht, schrumpft | Nur P-Serie + Aufsicht |
| Flex / TPU | Thermoplastisches Elastomer | ~210-230 °C | gummi-aehnlich, biegsam | A1 mini kann das (selten) |
Aufgabe — selber gucken + nachvollziehen
- Geh in den Druckraum und schau dir einen der Drucker an. Identifiziere:
- Filament-Rolle + Pfad bis zur Duese
- Heizbett mit Druckplatte
- Touchscreen
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Bei P-Serie: Aktivkohlefilter hinten / Tuer mit Glas
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Frag dich selbst: Warum ist die Duese so duenn (0,4 mm) und nicht z.B. 5 mm gross? (Antwort am Ende — versuch's erst selber!)
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Optional: Schau in der Bambu-Wiki nach (Link unten) — das ist die offizielle Anleitung fuer den P2S, dort sind die Bauteile mit Fotos beschriftet.
Antwort zu Frage 2: Je duenner die Duese, desto feiner die Linien — desto besser die Aufloesung deines Modells. Mit 5 mm waere alles klotzig wie aus Lego. Mit 0,4 mm bekommst du sogar Schrift auf einen Schluesselanhaenger.
Was du in dieser Lektion lernst
- Wie 3D-Druck technisch funktioniert (Filament schmelzen, Schicht fuer Schicht)
- Welche Bauteile im Drucker was machen
- Warum Material zu Drucker passt (oder nicht)
- Wo du Details nachschlagen kannst, wenn du tiefer einsteigen willst
Wenn du das nachvollzogen hast, klick im Cockpit auf „L4 fertig".